Sonntag 22. Oktober 2017

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Sr. Margaretha Moises
(Kolumbien)


Ein Leben für die Armen...

Papst Franziskus kommt als Botschafter des Friedens nach Kolumbien - und als Hoffnungsträger für die Arbeit von SEI SO FREI

 

Von 6. bis 11. September besuchte Papst Franziskus das vom jahrzehntelangen Bürgerkrieg schwer gezeichnete Land. Mit der Reise, die unter dem Motto „Tun wir den ersten Schritt“ steht, stärkte er den Friedensprozess in Kolumbien. Auch die langjährige Projektpartnerin der entwicklungspolitischen Aktion SEI SO FREI, Margaretha Moises, freute sich über die Visite des Pontifex. Seit mehr als 50 Jahren setzt sie sich mit ihrer Arbeit für Frieden und Gerechtigkeit in dem Land ein.

 

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Die Salzburgerin Margaretha Moises gründete 1980 CEDAL, eine Bildungs- und Kommunikationseinrichtung für Menschen ohne Schulbildung. Als Leiterin der Stiftung „Mutter Herlinde Moises" hat sie für die Kinder in den Armenvierteln am Rande von Cartagena und in Medellin gemeinsam mit SEI SO FREI einen Kindergarten gebaut. Hier werden die Kinder nicht nur mit Bildung, sondern auch mit Nahrung versorgt – leider keine Selbstverständlichkeit für viele Kinder in Kolumbien.

 

Für ihr Engagement wurde Margareta Moises 1998 mit dem Romero-Preis ausgezeichnet –eine der bedeutendsten Auszeichnungen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit in Österreich, die von SEI SO FREI, die entwicklungspolitische Aktion der Katholischen Männerbewegung vergeben wird.


Schwester Margaretha Moises

 

Schwester Margaretha Moises setzt sich gemeinsam mit SEI SO FREI für die Armen und Vertriebenen in Kolumbien ein. Sie ist die Stimme derer, die keine Stimme haben: Vertriebene, Flüchtlinge, von der Gesellschaft Ausgestoßene. In ihrer Verzweiflung flüchten diese Menschen in die Städte. Sie hoffen hier endlich ein Leben in Frieden zu finden. Fast immer landen sie in den Slums und Armenvierteln an den Rändern der Städte. Besonders die Kinder sind die Leidtragenden. Sie haben kaum eine Chance auf Bildung und oft nicht einmal das Notwendigste zum Essen.

 

Schwester Margaretha Moises hilft, wo immer sie kann. Für die Kinder im Armenviertel „Mutter Herlinda“ am Rande von Cartagena hat sie gemeinsam mit SEI SO FREI einen Kindergarten gebaut. Hier werden die Kinder nicht nur mit Bildung versorgt: Sie erhalten auch eine Mahlzeit - Für viele das einzige Essen am Tag. Und auch in „La Estrella“, einem Armenviertel von Medellín helfen SEI SO FREI und Sr. Moises mit einem Kindergarten.

 

Helfen Sie Schwester Margaretha Moises helfen!

 

Mit 17 Euro kann Schwester Moises ein Kind einen Monat lang im Kindergarten „Mutter Herlinda“ betreuen.

Mit 230 Euro finanzieren sie eine Kindergartenhelferin im Kindergarten „La Estrella“

 

Jeder Betrag hilft!

 

SEI SO FREI-Spendenkonto:

IBAN: AT103500000000014100

BIC: RVSAAT2S

Verwendungszweck: Kinder-Hilfe Kolumbien

 

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Artikel im Rupertusblatt (Juli 2015) (PDF)

Moises Schwestern 1
Moises Schwestern 2

Moises Schwestern 3
Moises Schwestern 4

Moises Schwestern 5

 

El Universal (Spanisch)
Herlinda Moises, die Heilige von Pasacaballos
El Universal (online)


Artikel im Rupertusblatt (Oktober 2014) (PDF)

Moises Schwestern 1
Moises Schwestern 2

 

TIPP: Auf www.seisofrei.at/videoarchiv finden Sie zwei neuen Film-Dokumentationen über Margaretha Moises (Thema 2014 / Salzburg heute).

 

 

Sr. Margaretha Moises – Leben für die Armen

 

Margaretha Moises feiert im März 2012 ihren 80.Geburtstag. Die gebürtige Österreicherin lebt seit 60 Jahren in Kolumbien. Unermüdlich und mit offenem Herzen ist sie im Einsatz für die Ärmsten. In dem vom jahrzehntelangen Bürgerkrieg gezeichneten südamerikanischen Land kämpft sie um Gerechtigkeit, Befreiung und Frieden. Für ihr Engagement wurde sie u.a. mit dem Romero-Preis ausgezeichnet.

 

Das Abenteuer Kolumbien begann für sie am 23. Jänner 1953: „Land in Sicht“, hieß es als das Frachtschiff, das drei Wochen zuvor von Le Havre aus zur Atlantik-Überquerung in See gestochen war, seinen Zielhafen erreichte: Cartagena de Indias, die geschichtsträchtige Kolonialstadt an der kolumbianischen Karibikküste. Mit an Bord in der dritten Klasse, die junge Franziskaner-Missionsschwester Margaretha Moises. An diesem tropischen Jännertag, war für die 20 jährige Bergbauern-Tochter aus Bad Hofgastein bereits klar, dass sie ihr Leben in den Dienst der Ärmsten stellen wollte. Die Dimensionen dieses Entschlusses wurden ihr jedoch erst später in voller Konsequenz vor Augen geführt: Als sie für ihren Einsatz für Landlose vom Militär verhaftet und verhört wurde oder als ihre Schwester Maria Herlinde, die ebenfalls bis zu ihrem Tod 2006 als Missionarin und Entwicklungshelferin in Kolumbien tätig war, vom Militär gefoltert und mit einem Einreiseverbot belegt wurde. All das hat sie nicht von ihrem Entschluss und Weg abbringen können. Bis heute setzte sie sich für Vertriebene und Landlose ein. Besonders die Kinder und Jugendlichen sind ihr ein Herzensanliegen: Für sie hat sie gemeinsam mit SEI SO FREI einen Kindergarten im nach ihrer Schwester benannten Armenviertel gebaut.

 

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Kolumbien: Land der Binnenflüchtlinge

 

27 Millionen Menschen leben weltweit als Flüchtlinge im eigenen Land. Das ist mehr als das dreifache der gesamten Bevölkerung Österreichs. Binnenflüchtlinge leben als Vertriebene in ihren Heimatländern und übertreffen zahlenmäßig die Flüchtlinge die von einem Staat in einen anderen Staat emigrieren um beinahe das Doppelte (15,2 Mio. internationale Flüchtlinge im Jahr 2010 weltweit).

Das Land mit der größten Anzahl an Binnenflüchtlingen ist Kolumbien: Bei einer Gesamtbevölkerung von rund 45 Mio. Menschen musste rund ein Zehntel ihren Lebensraum verlassen. Gut 4 Mio. davon gelten als Internal Displaced Persons (Binnenflüchtlinge). Die Gründe hierfür liegen in einer Geschichte der Gewalt und des Bürgerkriegs. Im bewaffneten Konflikt zählen Recht und Gerechtigkeit wenig und die Landbevölkerung gerät leicht zwischen die Fronten: Paramilitärische Gruppen dringen in ein Gebiet ein, entführen und morden und zwingen die Bevölkerung zur Flucht. Das auf diese Weise erworbene Land wird dann Gewinn bringend an Großgrundbesitzer verkauft oder gleich selbst von der eigenen Gruppe für den Drogenanbau genützt. Und auch der Anbau von Ölpalmen für die Herstellung von Agrasprit oder Bergbau sind lukrative Geschäfte. Auf diese Weise haben seit Mitte der 1980er Jahre bis zu 70.000 km2 den Besitzer gewechselt. Illegale Landnahme in der Größenordnung von fast der gesamten Fläche Österreichs.

Die Opfer ziehen in der Regel in die großen Städte und siedeln sich in den Armenvierteln und Favelas an den Stadträndern an. Etwa die Hälfte davon sind Kinder. Für sie sorgen meist die Frauen. Die Männer sind nicht selten im Bürgerkrieg umgekommen, stehen selbst unter Waffen, sind auf der Flucht getrennt worden oder haben die Familie einfach verlassen.

 

 

 

Sr. Margaretha Moises hilft

 

Die Bombe durchschlägt mit voller Wucht das Kirchendach und explodiert im Altarraum. Mauern, Alter und Menschen werden in Stücke gerissen. 119 Menschen sterben, 98 werden - zum Teil schwer - verletzt. Viele davon Kinder. Unter den Opfern ist auch der Mann von Cruzelina Ayala, einer Kleinbäuerin aus Bojayá in der Region Chocó im Western Kolumbiens. Was war passiert an jenem tragischen 2. Mai 2002, an dem der Bürgerkrieg die Kleinstadt in Blut tränkte?

 

Paramilitärs besetzen im April 2002 die Kleinstadt Bojayá. Schnell kontrollieren die 400 Bewaffneten das gesamte Gemeindegebiet und bereiten sich auf den Kampf mit der Guerilla FARC vor, die ihre Soldaten in den ländlichen Gebieten in der Region stationiert hat. Früh morgens um sechs Uhr beginnen am 1. Mai die Kampfhandlungen. 800 Guerilleros stürmen die Stadt. Die Bevölkerung flieht oder sucht Schutz im Pfarrhaus und der Kirche. Als im Laufe der Nacht zum 2. Mai die Kämpfe zu ungunsten der Paramilitärs auszugehen drohen, verschanzen sie sich im Umfeld der Kirche und nehmen die 500 in die Kirche geflüchteten Zivilisten als menschliches Schutzschild. Mit tragischen Folgen: eine der Bomben der FARC trifft die Kirche und richtet ein Massaker unter den Flüchtlingen an. Trotz mehr als hundert Toten und zahlreichen Schwerverletzten führen die beiden Kriegsparteien ihren Kampf unvermindert weiter und verhindern jegliche Hilfe für die Verletzten.

 

Alles verloren

 

„Ich habe alles verloren. Mein Mann war in der Kirche und wurde von der Bombe getötet. Ich hab´ nur überlebt, weil ich mit den Kindern am Feld war“, erzählt Cruzelina unter Tränen. „Den Bauernhof haben sie uns weggenommen und uns wie Tiere vertrieben. Ich wusste nicht wohin und wollte mich am liebsten umbringen.“ Doch Cruzelina hat Glück: Eine Tante lädt sie und ihre 8 Kinder nach Cartagena ein. Vorübergehend können sie bei ihr wohnen. Aus dem „vorübergehend“ werden Jahre, denn Cruzelina findet als Bäuerin in der Stadt keine Arbeit.

 

Armenviertel „Muter Herlinde Moises“

 

Anfang 2007 erfährt sie, dass in Pasacaballos, einem Vorort von Cartagena, ein neues Viertel im Entstehen ist: Das zu Ehren von Margaretha Moises verstorbener Schwester benannte Viertel „Mutter Herlinde Moises“. Vertriebene und Geflüchtete aus den Bürgerkriegsgebieten des Landes haben ein Stück Land besetzt. Es war gerade Wahlkampf und die Politiker/innen waren mit Zusagen großzügig. Cruzelina beschließt ihr Glück dort zu versuchen. Sie baut sich ein Haus aus Holz, Brettern und Planen. Sogar einen Kühlschrank kann sie sich inzwischen leisten. Während das neue Viertel auf bis zu 1.000 Einwohner/innen wächst und sich langsam entwickelt, klagt ein einflussreicher Großgrundbesitzer, dass das Grundstück eigentlich ihm gehöre. Er erhält in einem umstrittenen Gerichtsurteil recht: Die Menschen müssen weg. Das Viertel muss geräumt werden.

 

Zerstörung des Armenviertels

 

Cruzelina wird um 4 Uhr morgens aus dem Schlaf gerissen. Es ist der 11. Februar 2008. 3 Bulldozer, 2 Wasserwerfer und 50 Mann mit Kettensägen fangen unter dem Schutz von 480 Polizisten und 250 Mann einer Spezialeinheit mit der Zerstörung des Viertels an. Es kommt zu Ausschreitungen und dem Einsatz von Tränengas. Cruzelina hat kaum Zeit ihre wichtigsten Sachen und den Kühlschrank in Sicherheit zu bringen, bevor die Bulldozer ihre Hütte platt walzen. Sie kann es nicht fassen: Wieder muss sie weg, wieder steht sie vor dem Nichts. Diesmal waren es nicht die Paramilitärs oder Guerillas, sondern die offizielle Staatsgewalt, die sie um ihr Hab und Gut brachten.

 

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Neue Hoffnung

 

Ende März ziehen 100 der ursprünglich über 200 Familien auf ein Grundstück der Gemeinde Pasacaballos um. Unter ihnen Cruzelina mit Ihrer Tochter und deren Kindern. Aber auch auf dem neuen Grundstück werden die Plastikzelte und Karton-Hütten zwei Mal von der Polizei niedergebrannt. Erst durch den Einsatz von Margaretha Moises und ihrem Team bekommen die Vertriebenen eine Stimme und kann Druck in Richtung der politisch Verantwortlichen aufgebaut werden. Solidaritätsbekundungen aus Österreich (SEI SO FREI initiierte eine Unterschriftenaktion) verstärken den Druck und als dann SEI SO FREI gemeinsam mit einem ORF-Fernsehteam vor Ort zu recherchieren beginnt, das Armenviertel filmt und die Bewohner/innen interviewt, wird ein erster Kompromiss möglich: Die Familien können auf dem Grundstück bleiben. Es wird keine weiteren Polizeiaktionen geben und nach einer Lösung gesucht. Margaretha Moises und ihr Team treiben die Legalisierung der Siedlung und den Aufbau der Infrastruktur voran: Nottoiletten werden errichtet und inzwischen sogar Strom. Das Wasser kommt inzwischen auch regelmäßig mit einem großen Tankwagen an den Rand des Viertels. Für die Kinder hat SEI SO FREI (u.a. gemeinsam mit dem Land Salzburg) einen Kindergarten und einen Spielplatz errichtet. Jugendliche aus dem Viertel haben erhalten in einem Bildungsprojekt Ausbildungen zum Maurer, Tischler oder Dachdecker gelernt und werden unter fachmännischer Begleitung den Kindergarten errichtet. Er dient den Bewohner/innen des Viertels auch als Versammlungsraum, denn der von Sr. Moises` Team initiierte und begleitete Selbstverwaltungsrat trifft sich regelmäßig. Cruzelina ist zwar noch etwas skeptisch, traut sich aber wieder zu hoffen. Und ihr Enke Jesus freut sich schon auf den Kinderspielplatz.

 

Wolfgang K. Heindl

 

 

 

http://www.seisofrei.at/